Gefühlt ganz nah dran am zweiten Auswärtssieg in der zweiten Bundesliga Nord waren die Volleyballer des VV Humann Essen beim Kieler TV. Mehrere Satzbälle in Abschnitt zwei und drei wurden nicht genutzt und damit die Vorentscheidung nach der 1:0-Satzführung verpasst. Am Ende eines hochklassigen Spiels stand es aus Essener Sicht 2:3.
Ohne Kapitän Tim Dißmann und ohne Mittelblocker Kaspar Gröger, der sich in Kiel beim morgendlichen Aufwärmtraining zwei Finger brach, nahm der VVH schnell Fahrt auf. Mutiger Service und dynamische Netzarbeit sorgten über 6:3 und 13:6 beim 20:11 für den größten Abstand. Mit einem Dreierblock zum 25:17 beende Essen Satz eins.
Bis zum 20:18 war der zweite Abschnitt geprägt durch lange Sideout-Perioden. Dramatisch dann die Schlussphase. Kiel stellte etwas glücklich auf 20:22 und 22:24, Essen konterte und hatte beim 25:24 Satzball. Mit zwei verschlagene Angriffen und einem Aufstellungsfehler brachten die Gäste sich jedoch um den Lohn (25:27).
Auch der dritte Satz war lange ausgeglichen. Das über konsequente Block-/Feldabwehr erkämpfte 21:16 sah sicher aus. Doch die zweifelhafte Entscheidung zum 24:21 frustrierte das jungen Humann-Team. Kiel profitierte von der entstehenden Unruhe und entschärfte die folgenden Angriffe zum 26:28.
Trotz des bis dahin unglücklichen Verlaufs bewies Essen Moral und dominierte den vierten Durchgang ab dem 4:4. Nach 16:9 kamen die Adler in Folge einiger Spielerwechsel auf 18:15 heran. Diesmal ließ der variabel und mutig auftretende VVH sich nicht irritieren. Sehr überzeugend in allen Elementen wurde das 25:20 gesichert.
Der Kieler Kapitän Erik Niederlücke ging dann im Tiebreak voran, als er allein vier Punkte zum 1:5 beisteuerte. Von diesem Rückstand erholte Essen sich nicht mehr, zumal da die KTV-Abwehr weiterhin nur wenig zuließ. Beim 11:13 gab es kurz Hoffnung für Humann, doch am Ende stand ein 11:15 auf der Anzeigentafel.
Als Silber-MVP wurde Luc Lüftner ausgezeichnet. Beim Gastgeber ging die Gold-Medaille an Jonas Müller.
Wie schon drei Wochen zuvor gegen USC Braunschweig brachten sehr wenige umstrittene Situationen das VVH-Team aus dem Rhythmus und um den möglichen Erfolg. Dennoch war Trainer Christoph Bielecki mit dem 2:3 (112:107!) nicht komplett unzufrieden, auch weill am Tag danach mit dem 3:1 gegen FC Schüttorf 09 der erneute Einzug ins Achtelfinale des zoi DVV-Pokals gelang. „Wir sind in Kiel super ins Spiel gekommen und haben viel Druck erzeugt. Der Plan ging hervorragend auf. Sowohl im zweiten als auch im dritten Satz führen wir immer wieder und haben eigentlich auch Kontrolle über das Spiel. Leider schaffen wir es nicht, früh genug die Sätze zu entscheiden. Dass wir im vierten Satz so zurückgekommen sind, zeigt welche Moral die Jungs haben. Im Tiebreak geht uns dann leider etwas die Luft aus. Es war mehr drin, der Auftritt macht aber Mut für die kommenden Aufgaben.“