Auch auf der zweiten langen Auswärtsreise innerhalb einer Woche gingen die Volleyballer des VV Humann Essen über die volle Distanz von fünf Sätzen. Anders als in Kiel vor sieben Tagen gab es beim SV Lindow-Gransee in Brandenburg einen 3:2-Sieg. Essen bleibt dadurch mitten drin im Playoff-Getümmel der zweiten Bundesliga Nord.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Aufschlag (4:8) fand Humann seinen Rhythmus kämpferisch über die Defensive. Das 10:9 wurde zum 20:16 ausgebaut. Lindow entschied zwei lange Ballwechsel für sich, steckte auch das für Essen glückliche 23:21 weg und glich zum 24:24 aus. Der VVH verwandelte jedoch zum 26:24.
Genauso spannend war der zweite Abschnitt. Bis zum 14:14 verpassten die Gäste die Chance auf eine eindeutige Führung, weil mehrere Angriffe knapp im Aus landeten. Ausgerechnet als es dann 18:15 stand, konterte Lindow mit vorzüglicher Blockarbeit zum 20:22. Den dritten Satzball verwandelte der SVL zum 25:27.
Einer Achterbahnfahrt glich der dritte Durchgang, den der VVH mit kreativen Angriffen und starker Abwehr begann. Dem 11:7 folgte quasi ein Blackout in allen Elementen. Doch selbst die 1:9-Serie zum 12:16 war nicht die Entscheidung. Spielerwechsel und Auszeiten stoppten den Absturz (16:17), bevor Mio Wüst mit drei Assen einen 1:8-Lauf zum 17:25 bewirkte.
Humann zeigte Moral und kam im vierten Satz über die Mitten zum 12:7. Erneut ließ die junge Mannschaft sich von der folgenden Unruhe auf sowie neben dem Feld anstecken und kassierte das 14:14. Diagonal Luc Lüftner setzte unter anderem mit zwei Assen Akzente zum 19:15. Der Gast verteidigte das 25:20 spiel- und nervenstark, auch als der SVL auf 20:18 herankam.
Im Tiebreak bewies Essen im richtigen Moment seine lange vernachlässigten Stärken im Aufschlag und am Netz. Das schnelle 6:1 geriet allerdings beim 7:6 in Gefahr. Wichtig war der Ball zum 12:9, der letztlich die Vorentscheidung zum 15:12 und 3:2-Sieg bedeutete.
Als Gold-MVP wurde Zuspieler Fynn Bach ausgezeichnet. Beim Gastgeber ging die Silber-Medaille an Mio Wüst.
Die extreme Belastung nach vier Wochenenden mit jeweils zwei Partien war dem VVH-Team anzumerken. Trainer Christoph Bielecki steuerte so gut es ging dagegen und setzte alle dreizehn Akteure ein. Seine Analyse zum Punktspiel verknüpft er mit dem Ausblick auf das Achtelfinale im zoi DVV-Pokalspiel am kommenden Samstag gegen den Erstligisten cerebrics Volley Goats Mitteldeutschland: „Wir haben sehr viel Moral gezeigt und dem Druck Stand gehalten. Am Ende haben wir verdient gewonnen. In Lindow ist es nie einfach. Ähnlich wie die letzten Wochen haben wir wieder Impulse von der Bank setzen können und gemeinsam als Team den Sieg geholt. Das freut mich sehr. Auch für die Tabelle war es sehr wichtig, den Anschluss zu halten. Jetzt haben wir kommende Woche ein absolutes Pokal-Highlight, bei dem wir gar nichts zu verlieren haben. Wir erinnern uns gern an das Spiel gegen Freiburg letzte Saison.“