„Eines der besten Spiele der Saison“ zeigte der Kieler TV laut Headcoach Brar Gerhard am Samstag gegen VV Humann Essen. Vor eigenem Publikum gewann der Tabellenzehnte von der Ostsee 3:1 gegen den Tabellendritten aus dem Ruhrgebiet. Kiel bringt das drei wichtige Zähler für den Klassenerhalt in der zweiten Volleyball Bundesliga Nord. Essen verliert als sicherer Playoff-Teilnehmer den Anschluss an das Spitzenduo Schüttorf und Mondorf.
Ohne die verletzten Tim Dissmann, Simon Schröder und Chris Schäperklaus benötigte die ungewohnte Humann-Besetzung viel Abstimmung und zwei Auszeiten, um ab dem 11:17 stabil zu werden. Danach dominierte Luc Lüftner im Block sowie mit seiner Aufschlagserie und seinen Diagonalschlägen. Auf dem Weg zum 17:17 wurde er nicht nur von Zuspieler Fynn Bach sondern auch von Libero Patrick Espelage bestens bedient. Bach zweimal, Jonah Juditzki und Lüftner wandelten den erneuten 19:22-Rückstand in ein 25:23.
Mit drei Assen (Bo Hansen, Erik Niederlücke) eröffneten die Adler den zweiten Durchgang (3:8). Gleichzeitig vergab der VVH einige Angriffsbälle. Als Humann mit Moritz Finke und Jonas Espelage verstärkt auf die Mitte setzte, war beim 15:16 der Anschluss geschafft. Auch das 17:20 war keine Vorentscheidung, sondern der Auftakt zur hochklassigen Crunch Time. Bach setzte trotz herausfordernder, weiter Laufwege seine Angreifer perfekt ein. Lukas Prions, der nun besser ins Spiel kam, immer wieder der clevere Lüftner und in dieser Phase besonders Juditzki bescherten den Gästen drei Satzbälle, allerdings erfolglos. Kiel bewahrte die Nerven. Gold-MVP Til Krüger sorgte mit einem Ass zum 29:31 vielmehr für den 1:1-Ausgleich.
Auch in Satz drei war beim KTV neben überzeugender Offense auf die überragende Block/-Feldabwehr Verlass. Ab dem 3:9 bewirkte der eingewechselte Massimo Ostuzzi beim VVH mehr Sicherheit (8:9). Die Konzentration beider Teams ließ grundsätzlich bis zum 17:17 nach. Ein Highlight war wieder die lange Rallye zum 18:20 zugunsten der Gastgeber. Der neu ins Spiel gebrachte Arne Redder sorgte für den letztmaligen Anschluss zum 20:21. Humann scheiterte in den finalen Ballwechseln dreimal am KTV-Block (22:25).
Im vierten Abschnitt versuchte Essen durch eine weitere Rotation mehr Struktur in die Abläufe zu bringen. Mit Juditzki nun auf der Libero-Position, Prions zurück auf Außen und Redder in der Mitte gelang das in teilweise wilden Szenen bis zum 15:16 nur bedingt, obwohl die Gastgeber vorübergehend nachließen. Das 16:20 war nicht allein das Ergebnis Kieler Stärke, sondern ebenso die Folge verpasster Chancen auf Essener Seite. Silber-MVP Lüftner, Bach und Prions aus dem Hinterfeld verkürzten nochmal auf 21:22, doch Routinier Peter Klaua sicherte das 22:25.
Trainer Christoph Bielecki lobte die exzellente Kieler Leistung beim verdienten 3:1-Sieg, während seine ersatzgeschwächte Mannschaft nicht den besten Tag erwischte: „Kiel hat vermutlich sein bestes Spiel in dieser Saison gemacht. Sie haben uns im Aufschlag extrem unter Druck gesetzt und uns dadurch im Angriff vor schwere Aufgaben gestellt. Im Angriff fehlten uns immer wieder Lösungen. Zwischendurch kamen dann noch Eigenfehler dazu. Ein ziemlich gebrauchter Tag. Aus dem Meisterschaftsrennen haben wir uns damit vermutlich verabschiedet. Ab Montag gilt der Fokus dem Spiel gegen Aligse. Da haben wir noch eine Rechnung offen.“